Es gibt zwei große Fragen, mit denen wohl alle ringen, die glauben. Frage Nummer eins ist die Frage nach dem Leid: Wie kann Gott zulassen, dass guten Menschen Böses widerfährt? Und die zweite, große Frage ist die Rückseite der ersten: Wie kann Gott zulassen, dass bösen Menschen Gutes widerfährt?

Ja, es gibt Menschen, die Gottes Gebote mit Füßen treten. Die nicht tun, was gut ist – sondern das Gegenteil. Die nicht sagen, was wahr ist – sondern das Gegenteil. Die nicht Gott vertrauen – sondern ihn im Gegenteil ignorieren, verspotten, lächerlich machen. Und die damit ungestraft davon kommen.

Was sagt das über Gott aus? Warum sollte ich Gott vertrauen, wenn er so mit sich umspringen lässt? Was ist das Gute wert, wenn das Böse nicht bestraft wird?

Mit diesen Fragen hat schon der alttestamentliche Prophet Jeremia gerungen. In Jeremia 12 stellt der Prophet Gott zur Rede: „Warum geht’s den Gottlosen so gut, und die Abtrünnigen haben alles in Fülle?“ Und während er noch mit dieser Frage ringt, landet Jeremias Blick auf einmal bei sich selbst. Vers 3:

Du, Herr, du kennst mich, du siehst mich und prüfst, ob mein Herz bei dir ist.

Nein, das ist keine Antwort darauf, warum Gott zulässt, dass bösen Menschen Gutes widerfährt. Aber es ist der Weg, mit den großen, unbeantworteten Fragen über Gott umzugehen: Den Blick auf mich selbst richten, auf mein eigenes Verhältnis zu Gott. Gott, kennst du mich? Gott, siehst du mich? Gott, ist denn mein Herz bei dir?

Ich glaube, es sind diese Fragen, die mich heute am meisten weiter bringen.

 

(erschienen in der Sendereihe Anstoß bei ERF Plus)