Kategorie: Medien // Kultur

Menschen sind kein Müll

„Die Würde des Menschen ist antastbar… falls der Angriff als Satire gedacht war und/oder hinterher zur Satire erklärt wird“. Auf diese Idee könnte man kommen, wenn man die Diskussion über den Artikel von Hengameh Yaghoobifarah in der taz in der Medienmacherblase verfolgt.

Es spielt keine Rolle, was Yaghoobifarah innerlich getrieben haben mag, für Polizisten pauschal ein lebenslanges Schicksal auf der Mülldeponie zu fordern. In meinem Grundgesetz steht „Die Würde des Menschen ist unantastbar“. Und das macht es für mich ziemlich einfach: Menschen sind kein Müll!

Gut, dass es die Pressefreiheit gibt. Schlecht, wenn sie dazu benutzt wird, um die Würde von Menschen anzutasten. Hier wurde eine Grenze überschritten – und ich erwarte von meiner eigenen Medienbranche, diese Grenze nach innen und außen entschlossen zu verteidigen.

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Corona-App: Gesunder Menschenverstand statt Kulturkampf

Ein Riss geht quer durch Smartphone-Deutschland. Aus zwei entgegengesetzten Richtungen schlagen wütende Wogen über einem Stück Software zusammen, die doch nur helfen wollte.

Aus der einen Richtung eine Flut von „#IchAppMit“-Stickern und Installationsbekenntnissen auf zahllosen Facebook-Profilen mit leicht nervendem missionarischen Sendungsbewusstsein. Aus der anderen Richtung eine Flut von wütenden Protesten, Vorwürfen und Unterstellungen unter Verweis auf „Selbständiges Denken“, „Sichere Quellen“ und „Alternative Webseiten“, je nach Belieben unterlegt mit Mutmaßungen über (Zutreffendes bitte ankreuzen):  Bill Gates und George Soros, implantierte Chips, die Nichtexistenz des Corona-Virus oder die „Neue Weltordnung“. Bei manchen Christen leider noch garniert mit einigen jeglichem Zusammenhang entrissenen Bibelversen.

Mittendrin: Die Corona-Warn-App, in Auftrag gegeben von einer Regierung mit dem Mandat und der Verantwortung für das Krisenmanagement eines Landes mit 80 Millionen Besserwissern, bereits in der Konzeptionsphase umkämpft und keine zwei Tage nach dem Start in deutscher Gründlichkeit analysiert, kritisiert, zerpflückt. Ich finde es interessant, wie schnell ein paar tausend Zeilen Computer-Code zum Symbol einer Auseinandersetzung werden kann, deren Furor an einen Kulturkampf erinnert. Einen Kulturkampf ohne Sinn und Verstand, in dem manche jedes Maß an Nüchternheit verloren haben und auch die Fähigkeit abzuwägen zwischen halb-gut und halb-schlecht. Ein Kulturkampf, indem Freunde sich auf Facebook ent-freunden, weil sie unterschiedlicher Meinung sind über… eine… App.

Geht’s noch?

Ohne jemandem zu nahe treten zu wollen – 99% der Beteiligten haben doch keine Ahnung von dem, was da im Zentrum der wogenden Meinungsfluten steht: Software. Daraus kann man nur einen Schluß ziehen: Das Ganze ist ein Stellvertreterkrieg. In Wahrheit geht es bei der Diskussion über die Corona-App nicht um Software, sondern – meine These – um die Verteilung und Zuweisung von Macht und Machtlosigkeit.

Darf ich einen Vorschlag machen?

Lasst uns den Kulturkampf  woanders austragen, unseren gesunden Menschenverstand einschalten und der Corona-App eine Chance geben. Denn wir haben derzeit nicht viele Mittel, um die exponentielle Ausbreitung der Pandemie einzugrenzen. Abstand halten, Hygieneregeln, Testen und Quarantäne, irgendwann hoffentlich Impfstoff – das war’s, mehr ist nicht. Wenn wir keinen neuen Lockdown wollen, werden wir Neuinfektionen schnell auffinden und die Betroffenen in ärztliche Behandlung bringen müssen. Und beim Auffinden kann die App vielleicht/hoffentlich/wahrscheinlich helfen.

Ist die App in Sachen Datenschutz 100% sicher? Das kann ich nicht wissen, aber das kann ich bei keiner meiner 52 Apps auf meinem Smartphone. Die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass die Corona-App so stark unter öffentlicher Beobachtung steht, dass sie eher überdurchschnittlich sicher ist.

Werden denn genug Menschen die App benutzen? Keine Ahnung, aber wenn alle erst abwarten ob alle sie benutzen ist das wie bei einer Party, die erst mit drei Stunden Verspätung losgeht, weil keiner der erste sein will, der die Party in Gang bringt. Und Verspätung wird uns bei einer Pandemie mit exponentiellem Wachstum teuer zu stehen kommen.

Darf mir der Staat vorschreiben, eine App zu installieren? Nein, darf er nicht – und tut er auch nicht. Im Gegensatz zur Straßenverkehrsordnung – und da ruft interessanterweise keiner „Neue Weltordnung“, weil das „Vorfahrt achten“-Schild in seine Freiheitsrechte eingreift. Wenn ich mit einer regierenden Partei politisch nicht einverstanden bin, wähle ich bei der nächsten Wahl eine andere. Und bis dahin akzeptiere ich ihr von der letzten Wählermehrheit erteilte Mandat, das Gemeinwohl für alle zu organisieren.

Ich finde es nicht sinnvoll zu warten, bis wir 80 Millionen Besserwisser ohne virologische Fachkompetenz (und nein, dieses Youtube-Video dass dir deine Bekannte geschickt hat zählt nicht) uns darauf geeinigt haben, wie man die Corona-Pandemie in den Griff kriegt. Deshalb habe ich die Corona-Warn-App installiert. Nicht weil ich absolut überzeugt bin, dass sie perfekt ist oder garantiert funktionieren wird. Aber ich bin im Alltag von ziemlich wenigen Dingen absolut überzeugt – und tue sie trotzdem, weil sie hinreichend sinnvoll sind. Meistens bin ich damit ganz gut gefahren. Und du machst das im Alltag doch sicherlich genauso.

Geben wir also der Corona-App eine faire Chance. Hinterher können wir dann ja alle gemeinsam schlau sein.

Corona-Warn-App installieren

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Liebe Christen in den USA

Liebe Christen in den USA,
meine Brüder und Schwestern,

ich bin fassungslos.

Nicht nur über die immer wieder aufgerissene Wunde des Rassismus, die in diesen Tagen in eurem Land neu sichtbar wird. Nein, ich bin fassungslos darüber, wie schamlos Macht versucht mit euch ins Bett zu steigen. Ich bin fassungslos darüber, wie wehrlos viele von euch sie gewähren lassen. Wie ihr Haltungen und Werte des christlichen Glaubens eintauscht gegen das Versprechen, an der Seite eines Mächtigen auf der richtigen Seite der Geschichte zu stehen. Ich bin fassungslos darüber, wie viele von euch durch Beifall oder stille Genugtuung entwerten, was Christen weltweit heilig ist.

Mir geht es nicht um Politik. Euer Land ist nicht mein Land, und euer Präsident ist nicht mein Präsident. Ich teile weder eure Wahl noch eure Verantwortung. All das ist eure Angelegenheit, nicht meine. Aber die Bibel, die euer Präsident  inmitten von Tränengasschwaden in die Kamera gehalten hat, ist auch meine Bibel. Die Kirche, vor der er sich hat ablichten lassen, ist sichtbarer Teil der unsichtbaren Gemeinde Jesu, die auch meine ist. Das Bekenntnis, das er für eure Augen und vor den Augen der ganzen Welt als Ausweis seiner Autorität von Gottes Gnaden inszeniert, ist auch meines.

Deshalb ist das, was ihr mit euch machen lasst, nicht nur eure Angelegenheit – sondern auch meine und die aller Menschen auf dieser Welt, die die Bibel in Ehren halten. Die zur weltweiten Gemeinde Jesu gehören. Die in aller Unvollkommenheit das christliche Bekenntnis, seine Haltungen und Werte teilen. Gehören wir nicht zu einer Familie? Schreibt der Apostel Paulus nicht an die christliche Gemeinde in Korinth: „Wenn ein Glied leidet, so leiden alle Glieder mit, und wenn ein Glied geehrt wird, so freuen sich alle Glieder mit“ (1 Korinther 12,26)?

Liebe Brüder und Schwestern, ich kann mich nicht mit euch freuen, denn ihr werdet entehrt, auch wenn ihr euch vielleicht von Macht umschmeichelt fühlt. Glaubt ihr ernsthaft, Macht wird aus Dankbarkeit für euren Beifall und euer Stillhalten irgendwann demütig zur Seite treten und einer unbefleckten Nachfolge Christi Platz machen? Wann ist aus der Verbindung von Glaube und Macht jemals etwas Gutes entstanden?

Ich komme aus einem Land, in dessen Ostteil bis vor 30 Jahren viele nicht studieren durften, weil ihnen die Nachfolge Christi wichtiger war als Karriere in der Partei und Einfluss in der Gesellschaft. Und nun leide ich daran, wie ihr alle Haltungen und Werte über Bord werft, die ihr euren Kindern beigebracht habt, wie ihr tausend Lügen ignoriert, beiseite wischt, wegerklärt, schönredet – weil ihr glaubt, dadurch gesellschaftlichen Einfluss zu behalten?

Ich komme aus einem Land, in dem vor 75 Jahren Dietrich Bonhoeffer und andere mutige Männer und Frauen der Bekennenden Kirche die Treue ihrer Nachfolge Christi nicht dafür preisgeben wollten, einer menschenverachtenden Ideologie auch noch zu einer moralischen Legitimation zu verhelfen. Und nun leide ich daran, wie eure verdienstvollen Prediger des Evangeliums immer aufs Neue Worte und Taten absegnen, die den Geist dieses Evangeliums mit Füßen treten. Heiligt bei Jesus der Zweck denn die Mittel?

Ich komme aus einem Land, in dem vor 500 Jahren ein Augustinermönch namens Martin Luther die Einzigartigkeit Christi neu in den Mittelpunkt rückte. „Solus Christus“ lautete eine der reformatorischen Kernüberzeugungen, „nur in Christus ist das Heil“. Und nun leide ich daran, wie ein Mann „I alone can fix it“ von der Bühne brüllt – und ihr klatscht Beifall. Wer von beiden ist es, dem ihr folgt?

Ich gebe zu: Ich kenne eure Situation nur von außen, nicht von innen. Ich bin nicht an eurer Stelle. Ich weiß nicht, was ich an eurer Stelle täte oder wie ich mich verhalten würde. Ich weiß nur, wovor Paulus die Christen in Korinth am Ende seines Briefes warnt: „Lasst euch nicht verführen! Schlechter Umgang verdirbt gute Sitten. Werdet doch einmal recht nüchtern und sündigt nicht! Denn einige wissen nichts von Gott; das sage ich euch zur Schande.“ (1. Korinther 15, 33-34).

Die weltweite Christenheit hat euch, liebe Brüder und Schwestern aus den USA, so viel zu verdanken. Ihr habt bis heute unendlich viel dazu beigetragen, die Gute Nachricht zu verbreiten mit euren großen Vision und eurer Großzügigkeit, mit eurem Wagemut und eurer Hilfsbereitschaft. Wir leiden an euch, und wir leiden mit euch. Lasst euch bitte nicht verführen! Und wo erforderlich, werdet nüchtern!

Ich hoffe trotz aller Fassungslosigkeit, dass wir immer noch zusammen gehören.

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